Resumée

Was brachte STÄRKEN vor Ort?

Daten, Fakten, Analysen - die eine Seite

42 Projekte waren in drei Jahren STÄRKEN vor Ort in Celle gefördert worden. 15 Träger waren daran beteiligt. Neben etablierten Institutionen wie der Arbeiterwohfahrt Celle, dem Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen Celle, der CD Kaserne gGmbH, der Pestalozzi-Stiftung, den Berufsbildenden Schulen III und dem Christlichen Jugenddorf (Jugendmigrationsdienst) gehörten dazu Vereine wie das Ezidische Kulturzentrum, der Jugend-, Freizeit- und Kunst-Club Celle, Mit-Wirkung e. V., die Plattform Ezidischer Celler, Atelier 22 oder Capito, auch Einrichtungen wie das Paulus Familienzentrum der Paulus Gemeinde Celle, die Feleknas Uca Stiftung und -  last but not least -  die Frauengruppe Nu Jin.

Das Ziel der Projektträger unter der Federführung des Referats Integration der Stadt Celle:  Die soziale, schulische und berufliche Integration von benachteiligten jungen Menschen und benachteiligten Frauen zu unterstützen und zu fördern unter Einbindung lokaler Akteure.

Basis für die gelungene Projektarbeit war sicher das Vorläuferprogramm "LOS", "Lokales Kapital für soziale Zwecke". Zwischen 2003 und 2008 war die Stadt Celle an dem Bundesprogramm, das ebenfalls vom Bundesfamilienministerium und der Europäischen Union gefördert worden war, beteiligt. Fördergebiet waren die Ortsteile Neustadt  Heese und Neuenhäusen - Ortsteile, die von den Cellern als soziale Brennpunkte bewertet werden. Hier waren bereits Erfahrungen gemacht worden und Erkenntnisse gewonnen, was not tut, welche Art von Hilfen und Unterstützung die Menschen in diesem Stadtteil benötigen. So konnten die lokalen Akteure gezielt passende Projekte für "STÄRKEN vor Ort" anbieten.

Erfahrungen, Erlebnisse, persönliche Erfolge - die andere Seite

Im Gespräch mit den Beteiligten gab es immer wieder Berichte von konkreten Erfolgen, die nicht in Zahlen messbar sind. Wer mag kalkulieren, was es für einen jungen Mann mit Migrationshintergrund bedeutet, nach zahllosen erfolglosen Bewerbungen endlich einen Ausbildungsplatz zu erhalten? Für einen Jugendlichen, der aus einem Haushalt stammt, in dem die Eltern aufgrund von Sprachproblemen ein zurückgezogenes Leben unter Landsleuten führen und ihrem Sohn nicht unterstützen können? Wo die Freunde ähnliche Probleme haben? Wo bereits in der Schulzeit das Bewusstsein eines vorprogrammierten Scheiterns gewachsen ist?  Dann eröffnet sich eine Perspektive.

Das mag das Angebot sein, einen PC unter fachlicher Anleitung zu nutzen und das Procedere der Bewerbung druchzugehen, eigene Stärken zu entdecken und diese selbstbewusst dem Arbeitsmarkt anzubieten. Oder die Möglichkeit, in der Projektarbeit ungeahnte Fähigkeiten, etwa  handwerkliche oder technische, zu entdecken und zu erkennen, dass dieses neue Wissen Früchte trägt, wenn es auch dank des Einsatzes der Betreuer einen Praktikumsplatz gibt - ein erster Schritt in das Erwerbsleben. Frauen haben erkannt, dass die Fähigkeiten die sie in ihre Familien einbringen,  unter anderem sogenannte "Soft Skills", und eine gezielte Qualifizierung sie befähigen, als Gesundheitslotsinnen tätig zu sein oder als Familiencoach im Allgemeinen Sozialdienst der Stadt Celle in der Beratung von deutschen und ausländischen Familien zu arbeiten. Dass sie durch das Absolvieren eines Computerkurses für Frauen weit bessere Aussichten haben auf Teilhabe am Arbeitsmarkt und einem entsprechenden gesellschaftlichen Status?

Das Referat Integration hat großen Wert darauf gelegt, dass Kontakte ausgebaut wurden und Netzwerke entstanden, um die Projektarbeit nachhaltig für die Stadt Celle zu gestalten. Auch dies ist über die Erwartungen hinaus  gelungen.

Kontakte sind aber auch Bindungen und Beziehungen. In einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die gemeinsam einen Film gedreht haben und gemeinsam den Erfolg verbuchen konnten beim Niedersächsischen Wettbewerb "Filmklappe 2010" den zweiten Platz zu erringen. Bei einer pädagogischen Fachkraft, die "Schüler in Verantwortung" begleitete und betreute, viele Mängel und Lücken in der Betreuung von Kindern erkannte und "sie einfach nicht in Stich lassen möchte". Klassische Streetwork wurde mit der Schule abgeprochen um Kinder und Jugendliche einzubeziehen in eine neue Form des Miteinanders im Stadtteil.

Viele der Betreuer sind nun auf der Suche nach weiteren Förderungen für "ihre" Projekte, "ihre" Kinder, "ihre" Jugendlichen, "ihre" Frauengruppen. Und das ist es wohl, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist. Potentiale sind entdeckt und gefördert worden. Doch, wie es eine der Betreuerinnen auf den Punkt gebracht hat: "Probleme gibt es genug."

Wie vorher "LOS", ist nun auch STÄRKEN vor Ort ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer Stadt, die benachteiligte Menschen teilhaben lässt.

Die Projektträger haben ihre Zielgruppen erreicht, resümiert die Stadt Celle. Und mehr noch: Aus diesen Zielgruppen engagieren sich jetzt Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ehrenamtlich weiterhin für deren Belange, mittlerweile über die Stadtteilarbeit hinaus.